
Alex Zanardi - Teil 1
Ein Leben voller Höhen und Tiefen – wie Alex Zanardi in Italien zum Idol geworden ist
Alessandro "Alex" Zanardi ist am 01.05.2026 im Alter von 59 Jahren verstorben.

Am 23. Oktober 1966 kommt in der norditalienischen Stadt Bologna Alessandro Zanardi zur Welt. Er ist das zweite Kind von Anna und Dino Zanardi, einer Schneiderin und eines Klempners. Die Familie ist nicht wohlhabend, trotzdem durchlebt der kleine Alex sorgenfreie erste Lebensjahre.
Als Alessandro vier Jahre alt ist, zieht er mit seiner Familie ins nahe gelegene Castel Maggiore um. Dort entdeckt der Bub schon früh seine Leidenschaft für Autos. Das Tempo fasziniert ihn, mit seinem Vater schaut er jedes Rennen in der Formel 1, zudem verbringt er viel Zeit bei Alberto Bonini, dem Mechaniker des Dorfes. Und bereits als Kind beginnt er, auf den Strassen rumzufahren – in einem Holzwagen, der von Mita, dem Schäferhund der Familie, gezogen wird. Alessandro hält ihm mit einer Fischerrute ein Stück Fleisch vor die Nase, damit dieser auch wirklich rennt.
Erste Rennen mit dem Go-Kart
In den kommenden Jahren versucht sich Zanardi immer wieder an Rennen. Sein Talent ist schon früh erkennbar: 1982 wird er als 16-Jähriger bei den italienischen Meisterschaften mit 100ccm-Motoren Dritter, obwohl sein Kart zu den schlechteren gehört und nur sein Vater, der Klempner, als Mechaniker dabei ist. So wird ein lokaler Pneu-Hersteller auf Zanardi aufmerksam und unterstützt ihn finanziell, damit er bei internationalen Rennen teilnehmen kann.
Und so wird der junge Alessandro immer erfolgreicher: 1985 wird er erstmals italienischer Meister, 1987 wird er Europameister in der Kategorie 135ccm. Und 1991 geht der Traum von Alessandro Zanardi in Erfüllung: Der Rennstall Jordan bietet ihm einen Platz für drei Rennen in der Formel 1 an. Er soll einen gewissen Michael Schumacher ersetzen, der das Team verlassen wird.
Doch Zanardis Zeit in der Königsklasse ist nicht von Erfolg gekrönt. Weder bei Jordan noch in den folgenden Jahren bei Minardi und Lotus kann er sich durchsetzen. So ist 1994 Zanardis Zeit in der Formel 1 bereits vorbei, nur einen einzigen Punkt hat der Italiener dabei gewinnen können.

Durchbruch in der CART-Serie
Nach einem Jahr Unterbruch bekommt Zanardi schliesslich einen Platz in der US-Amerikanischen CART-Serie. Dort wird er endlich zum Star: In seinen drei Saisons wird er zweimal Weltmeister, 15 Siege und zwölf weitere Podestplätze holt der Italiener in dieser Zeit. Das amerikanische Publikum liebt ihn: Zanardi ist ein Showman, er ist immer für einen Scherz zu haben und feiert seine Siege mit seinem «Donut-Jubel».
Zanardi fährt so gut, dass sogar wieder verschiedene Formel-1-Teams über einen Vertrag nachdenken. In Italien ranken sich Gerüchte um ein Interesse von Ferrari, schliesslich ist es aber Williams, das Zanardi einen Dreijahresvertrag auf den Tisch legt. Ein Angebot, das der ewige Formel-1-Fan Zanardi nicht ablehnen kann – die Rückkehr in die Königsklasse ist perfekt. Doch erneut gelingt ihm der Durchbruch nicht. Nach einem weiteren Jahr ohne Punkte wird der Vertrag vorzeitig aufgelöst.
2001 wechselt Zanardi zum zweiten Mal in die CART-Serie. Er gehört erneut zu den Podestanwärtern – auch am 15. September, als er zum Rennen in Deutschland auf dem Lausitzring antritt. Doch statt mit einem Podest endet das Rennen für Zanardi in einem Drama: 13 Runden vor Schluss verliert er die Kontrolle über sein Auto und schlittert über die Strecke. Von hinten kommen Patrick Carpenter und Alex Tagliani mit über 300 km/h angerauscht. Der erste kann gerade noch ausweichen, Tagliani nicht. Der Kanadier crasht Zanardis Honda, der in zwei Teile geteilt wird. Zanardi wird dabei lebensbedrohlich verletzt.

Dem Tod gerade noch entkommen
Er wird ins Spital geflogen, wo ihm beide Beine amputiert werden müssen. Vier Tage lang liegt er im Spital von Berlin im künstlichen Koma. Erst nach sechs Wochen und über 15 Operationen kann Zanardi das Spital verlassen. Wie nahe er am Tod war, sollte er erst später erfahren. Wären die Ärzte erst etwas später auf die Strecke gekommen, wäre es zu spät gewesen. Und hätte Tagliani nicht kurz vor dem Crash ganz leicht nach links gesteuert, wären wohl beide Piloten auf der Stelle gestorben.
Für den Italiener beginnt im Anschluss ein neues Leben. Die Reha dauert lange, zu Beginn sitzt er immer nur im Rollstuhl. Ein Zustand, vor dem er sich zuvor immer gefürchtet hat. «Als ich den Film mit Tom Cruise in einem Rollstuhl gesehen habe, dachte ich mir: », wird Zanardi später erzählen. Doch er akzeptiert sein Schicksal. Er beginnt, Prothesen zu tragen. Und steht wieder auf, auch im wörtlichen Sinne.
Fortsetzung folgt......