
Richard Gerstl
Österreichischer Porträt- und Landschaftsmaler.
Er ist der "erste österreichische Expressionist" und für viele immer noch ein Geheimtipp: Richard Gerstl (1883–1908). Der Maler wird in einem Atemzug mit den drei Meistern der Wiener Moderne genannt – Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka.

Bild unten >> RICHARD GERSTL, AUSSTELLUNGSANSICHT © SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, 2017

Der Expressionismus ist eine Stilrichtung des späten 19. bis frühen 20. Jahrhunderts, bei der das subjektive Empfinden des Künstlers im Vordergrund steht und die verwendeten Farben mit Bedeutungen aufgeladen sind.
Gerstl war ein Pionier des österreichischen Expressionismus. Die Schulausstellung der Wiener Akademie vom 7. bis 14. Juli 1907 war zu Lebzeiten die einzige nachgewiesene Ausstellung seiner Werke. Er stand zum zeitgenössischen Kunstbetrieb in radikaler Opposition und lehnte diesen ab; vor allem die Kunst des Jugendstils und Gustav Klimts akzeptierte er nicht. Als junger Künstler gehörte er viele Jahre lang zum sogenannten Schönberg-Kreis, seine Nähe zur Wiener Avantgarde war augenfällig.
Durch seinen frühen Tod wurde sein Werk erst in den frühen 1930er Jahren entdeckt und erst nach 1945 seine Bedeutung erkannt und geschätzt. Dennoch ist er bis heute ein unbekannter Vertreter der großen österreichischen Expressionisten geblieben. Bis heute sind 60 Gemälde und acht Zeichnungen des Künstlers bekannt geworden; die meisten sind im Leopold Museum und in der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien zu besichtigen.
Alois Gerstl fand im Atelier seines toten Bruders Leinwände und Skizzen vor, die er jahrelang von einer Spedition einlagern ließ. 34 Gemälde wurden schließlich durch den Galeristen Otto Kallir vor der Vernichtung gerettet. Er kaufte und restaurierte sie, seine Ausstellung Richard Gerstl – ein Malerschicksal sorgte 1931 für Aufsehen. München, Berlin und Aachen waren die nächsten Stationen der Wanderausstellung. Für die österreichische Szene war Gerstl eine Schlüsselfigur, die Maler der Nachkriegszeit bis hin zu den Aktionisten ließen sich von ihm inspirieren. Erst ab den 80er Jahren – vor allem durch Ausstellungen zum Wien der Jahrhundertwende – wurde Gerstl in den Kanon der Kunstgeschichte aufgenommen.
Die im Kunsthaus Zug beheimatete Stiftung Sammlung Kamm verfügt über zehn Gemälde auf acht Leinwänden des Künstlers. Sie reichen von Landschaften über Gruppenbildnisse bis hin zu Porträts und Selbstporträts.

Selbstbildnis, lachend, 1908
Gerstl hatte ein übersteigertes Selbstwertgefühl, war arrogant gegenüber Künstlerkollegen (Klimt) und eckte auch bei seinen Lehrern an. Er bestand auf einem eigenen Atelier, als er auf Einladung eines Professors in die Systematische Specialschule für Landschaftsmalerei wechselte. Vom Ministerium für Cultus und Unterricht verlangte er eine Entschädigung, als keines seiner Bilder in einer Schulausstellung gezeigt wurde. Er sah sich "von der Concurrenz um den Specialschulpreis ausgeschlossen".
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