Fussball-WM 1974

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) war eines der geschichtsträchtigsten Turniere der Fußballgeschichte. 

Sie brachte taktische Revolutionen, politische Brisanz und am Ende den zweiten WM-Titel für die deutsche Nationalmannschaft.

Angeführt von Bundestrainer Helmut Schön stand 1974 das wohl stärkste deutsche Gerüst der Historie auf dem Platz, das zu großen Teilen aus den damals dominierenden Blöcken des FC Bayern München und von Borussia Mönchengladbach bestand:

​Tor: Sepp Maier

​Abwehr: Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Paul Breitner, Georg Schwarzenbeck

​Mittelfeld: Uli Hoeneß, Wolfgang Overath (setzte sich im legendären Duell gegen Günter Netzer durch), Rainer Bonhof

​Angriff: Gerd Müller, Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein

>> Das deutsch-deutsche Duell (BRD vs. DDR)

​In der Vorrunde kam es zum einzigen Mal in der Geschichte bei einer WM zum direkten Aufeinandertreffen der beiden deutschen Staaten. Am 22. Juni 1974 besiegte die DDR die BRD im Hamburger Volksparkstadion sensationell mit 1:0 durch das berühmte Tor von Jürgen Sparwasser.

​Die Ironie der Geschichte: Diese Niederlage war für die BRD ein heilsamer Schock. Sie führte zur legendären "Nacht von Malente", in der Franz Beckenbauer intern die Führung übernahm. Zudem bescherte der zweite Gruppenplatz der BRD die vermeintlich leichtere Zwischenrundengruppe, während die DDR auf die Giganten Brasilien und Argentinien traf.

>> Das epische Finale: "Kaiser" gegen "König"

​Das Endspiel in München war das Duell zweier Fußball-Philosophen und ihrer Kapitäne: Franz Beckenbauer (der elegante Libero der Deutschen) gegen Johan Cruyff (das Genie der Niederländer).

​Die Niederlande spielten den sogenannten "Totaalvoetbal" (Totalen Fußball), bei dem jeder Spieler flexibel jede Position einnehmen konnte – ein taktisch revolutionärer und wunderschöner Stil. Schon in der 1. Minute gab es Elfmeter für Holland (Neeskens trifft), ohne dass ein Deutscher bis dahin den Ball berührt hatte. Doch die Deutschen kämpften sich zurück: Paul Breitner glich per Elfmeter aus, bevor Gerd Müller kurz vor der Pause mit einer seiner typischen, aus der Drehung geschossenen "Müller-Bude" das entscheidende 2:1 erzielte.

>> Bild unter: Manschaftsbus von 1974 im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart

>> Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

​Weltmeister: BR Deutschland (2. Titel nach 1954)

​Vize-Weltmeister: Niederlande

​Dritter Platz: Polen

​Torschützenkönig: Grzegorz Lato (Polen) mit 7 Toren

​Turnierzeitraum: 13. Juni bis 7. Juli 1974

​Neuer Pokal: Da Brasilien 1970 den Jules-Rimet-Pokal nach dem dritten Titel dauerhaft behalten durfte, wurde 1974 zum ersten Mal die bis heute verwendete FIFA WM-Pokal-Trophäe vergeben.

>> Bild unten: Offizieller WM Ball