>> 100 Jahre

Hans Werner Henze

Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts.


Hans Werner Henze (01. Juli 1926– 27. Oktober 2012) war eine der prägendsten, schillerndsten und auch streitbarsten Figuren der Musikgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Was sein Schaffen so besonders macht, ist die enorme Vielseitigkeit: Er verweigerte sich dem dogmatischen, rein mathematischen Denken der damaligen Avantgarde (wie etwa der totalen Serialität eines Karlheinz Stockhausen) und suchte stattdessen immer den Bezug zu Tradition, Emotion und Theater.

>> ​Das Musiktheater im Zentrum

​Henze war ein geborener Dramatiker. Seine Opern und Ballette gehören zu den weltweit am meisten aufgeführten Werken der zeitgenössischen Musik. Er arbeitete mit bedeutenden Literaten seiner Zeit zusammen, darunter Ingeborg Bachmann und W. H. Auden.

​Wichtige Opern: Elegie für junge Liebende, Die Bassariden oder sein Spätwerk Gisela!.

​Musikalischer Stil: Eine hochemotionale Synthese aus Zwölftontechnik, neoklassizistischen Elementen und italienischer Kantabilität (Gesanglichkeit).

>> ​Die Flucht nach Italien

​Im Jahr 1953 kehrte Henze Deutschland den Rücken und zog nach Italien (später lebte er lange in den Albaner Bergen bei Rom). Er litt unter der homophoben, konservativen Atmosphäre im Nachkriegsdeutschland und der Intoleranz der deutschen Musikszene, die seine Vorliebe für Melodie und Tradition oft als "altmodisch" abtat. In Italien fand er die Sinnlichkeit, das Licht und die Freiheit, die seine Musik beflügelten.

>> ​Politisches Engagement

​Ab den späten 1960er-Jahren verschrieb sich Henze dem Sozialismus. Seine Musik wurde explizit politisch. Berühmt-berüchtigt ist das Oratorium Das Floß der Medusa (1968), dessen Uraufführung in Hamburg in einem regelrechten Tumult endete, weil Studenten eine rote Fahne auf der Bühne hissten und die Polizei einschritt. Henze reiste auch nach Kuba, um dort zu unterrichten, und widmete dem Che Guevara seine 6. Sinfonie.

​"Musik transportiert menschliche Wärme, Liebe und den Wunsch nach Verständigung." – Hans Werner Henze

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