Pumpgun Ronnie

Johann Kastenberger lebt lange Zeit einfach so dahin. Dann setzt er eine Maske auf, überfällt eine Bank nach der anderen und schießt einem Mann ins Gesicht.

Kastenberger überfiel in den 1980er-Jahren in Wien und Niederösterreich zahlreiche Banken. Seine Markenzeichen waren eine Schrotflinte (Pumpgun) und eine Gummimaske des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan (daher der Name "Ronnie"). Weil er bei den Raubüberfällen extrem schnell agierte und anfangs niemand körperlich verletzt wurde, bauten die Boulevardmedien fast schon einen Mythos um ihn auf.

Das Doppelleben: Spitzensportler und Krimineller

​Das Faszinierendste und Erschreckendste an Kastenberger war seine Disziplin im echten Leben: Er war ein hocherfolgreicher Marathon- und Bergläufer.

​1988 gewann er den extrem harten Kainacher Bergmarathon und stellte einen Streckenrekord auf, der jahrelang hielt.

​Das gestohlene Geld legte er größtenteils unauffällig an, während er offiziell von Arbeitslosengeld lebte und vorgab, in der Sportartikelbranche zu arbeiten.

​Die dunkle Seite: Mörder und Staatsfeind

​Die vermeintliche "Robin-Hood-Romantik" verflog schnell, als die Ermittler seine Verbindung zu schweren Gewaltverbrechen aufdeckten. Kastenberger war kein harmloser Dieb, sondern kaltblütig:

​Er ermordete 1985 einen Kurskollegen mit einer Pumpgun.

​Er erschoss 1986 einen Polizisten vor einer Wachstube.

​Er stand im Verdacht, eine Prostituierte mit einer gestohlenen Dienstwaffe getötet zu haben.

Filmszene
Filmszene

Die spektakulärste Flucht der Nachkriegszeit

​Als die Polizei ihm im November 1988 schließlich auf die Schliche kam und ihn verhaftete, gestand er die Bankraube. Doch während der Vernehmung gelang ihm ein spektakulärer Coup: Er sprang durch ein geschlossenes Fenster im ersten Stock der Polizeikaserne und flüchtete.

​Es folgte die größte Fahndungsaktion der österreichischen Nachkriegsgeschichte mit über 450 Polizisten. Da Kastenberger durch sein Marathontraining über eine phänomenale Ausdauer verfügte, flüchtete er tagelang zu Fuß und trickste die Behörden immer wieder aus. Erst als er ein Auto stahl und eine Straßensperre durchbrach, wurde er von der Polizei angeschossen. Bevor er gefasst werden konnte, nahm er sich im Auto selbst das Leben.

​Popkultur-Notiz: Seine außergewöhnliche Lebensgeschichte wurde im Jahr 2009 unter dem Titel "Der Räuber" (mit Andreas Lust in der Hauptrolle) verfilmt und lief erfolgreich auf der Berlinale.

nächste Folge am 07.07.