Wolfgang Graf Berghe von Trips


Wolfgang Alexander Albert Eduard Maximilian Reichsgraf Berghe von Trips – oft einfach "Taffy" genannt – war eine der faszinierendsten und tragischsten Figuren der deutschen Motorsportgeschichte. Er war der erste Deutsche, der ein Formel-1-Rennen gewann, und stand kurz davor, der erste deutsche Weltmeister zu werden, bevor ein schrecklicher Unfall sein Leben beendete.

​Hier ist die Geschichte eines echten Gentlemans am Steuer:

​Von Trips stammte aus einem alten rheinischen Adelsgeschlecht und wuchs auf der Burg Hemmersbach in Kerpen-Horrem auf (ausgerechnet der Ort, der später durch Michael Schumacher weltberühmt werden sollte). Er litt an Diabetes, was ihn jedoch nicht davon abhielt, eine Rennkarriere zu verfolgen.

​In seinen frühen Jahren im Rennsport war er für seinen extrem spektakulären, aber auch riskanten Fahrstil bekannt. Weil er anfangs in viele Unfälle verwickelt war, verpasste ihm die englische Presse den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Count Crash" (Graf Unfall). Später wandelte sich sein Ruf komplett: Er wurde zu einem der präzisesten und am meisten respektierten Fahrer seiner Ära. Seine Freunde nannten ihn liebevoll "Taffy".

​Der Durchbruch bei Ferrari und das Schicksalsjahr 1961

​Enzo Ferrari erkannte das Talent des jungen Grafen und holte ihn in die Scuderia. Das Jahr 1961 sollte sein Meisterjahr werden. Ferrari hatte mit dem Typ 156 (bekannt als "Sharknose" oder Haifischnase wegen der markanten Lufteinlässe) ein dominierendes Auto gebaut.

Von Trips lieferte sich die gesamte Saison über ein packendes Duell um die Weltmeisterschaft mit seinem amerikanischen Teamkollegen Phil Hill.

​Zandvoort 1961: Von Trips gewinnt den Großen Preis der Niederlande. Es ist der allererste Sieg eines deutschen Fahrers in der Geschichte der Formel 1.

​Aintree 1961: Er triumphiert auch beim Großen Preis von Großbritannien im strömenden Regen und beweist endgültig seine fahrerische Klasse.

​Die Tragödie von Monza

​Am 10. September 1961 reiste von Trips als WM-Spitzenreiter zum Großen Preis von Italien nach Monza. Ein einziger Punkt fehlte ihm noch zum sicheren Weltmeistertitel. Er hatte sich die Pole-Position gesichert.

​In der zweiten Runde kam es beim Anbremsen auf die Vedano-Kurve zu einer Berührung zwischen von Trips' Ferrari und dem Lotus des Briten Jim Clark. Der Ferrari des Grafen wurde in die Luft katapultiert, prallte gegen einen Fangzaun, hinter dem Zuschauer standen, und schleuderte zurück auf die Strecke.

​Wolfgang von Trips wurde aus dem Wagen geschleudert und war sofort tot. Mit ihm starben 15 Zuschauer. Es war eine der größten Katastrophen in der Geschichte des Motorsports. Sein Teamkollege Phil Hill gewann das Rennen und wurde Weltmeister – überschattet von tiefer Trauer.

​Sein bleibendes Erbe

​Obwohl von Trips' Leben mit nur 33 Jahren endete, hat er dem Motorsport weit über seinen Tod hinaus einen riesigen Dienst erwiesen.

​Der Urvater des deutschen Boom-Motorsports: Kurz vor seinem Tod importierte von Trips eine völlig neue Art von kleinen Rennwagen aus den USA nach Deutschland: Karts. Er baute in Kerpen eine professionelle Kartbahn. Genau auf dieser Bahn machten Jahrzehnte später zwei Brüder ihre ersten Schritte im Motorsport: Michael und Ralf Schumacher. Ohne die Initiative von Graf Berghe von Trips hätte es den modernen deutschen Formel-1-Boom vielleicht nie gegeben.