Tenzing Norgay
Portrait einer Bergsteigerlegende

Lange Zeit galt der Mount Everest als unbezwingbar. Doch dann schafften es der Neuseeländer Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay als Erste am 29. Mai 1953.

Tenzing Norgay wurde am 29. Mai 1914 in einem Sherpa-Dorf aus dem Khumbu Himal-Gebiet geboren.
Tenzing Norgay wuchs mit 13 Geschwistern auf. Er war ein hochbegabter Junge, der im Laufe seines Lebens insgesamt sieben Sprachen beherrschte; dennoch lernte er nie das Schreiben. 1933 flüchtete der Sherpa aus Nepalum, aus dem damals eingeschlossenen Königreich. Es zog ihn in das indische Darjeeling, dort arbeitete er als Träger, und er begleitete Briten auf ihren Bergexpeditionen. Vielfach führte ihn seine Touren auf den Mount Everest.
Im Jahr 1935 war er erstmals zusammen mit dem Briten Eric Shipton am Mount Everest unterwegs; damit begann eine lange Verbundenheit mit diesem Gebirge. Er beteiligte sich dort an unzähligen Expeditionen als Führer, Träger oder Begleiter für ganze Gruppen oder nur für Zweierteams. In den Jahren 1936, 1938, 1947 und 1952 realisierte Tenzing Norgay seine wichtigsten und größten Touren.
Norgay konnte sich 1952 zusammen mit dem Schweizer Raymond Lambert an den höchsten, bis dahin erreichten Punkt auf einer Höhe von 8.595 m heranarbeiten. Sie befanden sich gerade einmal 300m vom Gipfel entfernt, in dessen Sichtweite, konnten aber den Aufstieg trotz Sauerstoff nicht fortsetzen, da sie zu sehr entkräftet waren. Kurze Zeit darauf, im Jahr 1953 war er mit dem Neuseeländer Edmund Hillary auf dem Weg zum Everest-Gipfel.
Der erste Versuch der Erstbesteigung scheiterte am 26. Mai an zu starken Windböen in den Höhenlagen des Gebirges. Drei Tage später starteten die beiden den nächsten Versuch. Sie lagen auf einer Höhe von 8.500 Metern. Innerhalb von sechs Stunden arbeiteten sie sich erfolgreich an den Gipfel heran.
Am 29. Mai 1953 stand Tenzing Norgay zusammen mit Hillary auf dem höchsten Plateau der Welt: 8.848 m. Norgays Verbundenheit mit dem Himalajagebirge wurde legendär. Über zwanzig Jahre widmete er sich dem Mount Everest – keiner hatte bis zum Jahr 1953 mehr auf ihm verbracht als er. Von Anfang an entwickelte Tenzing Norgay einen ungewöhnlichen Ehrgeiz, sich nicht nur als Träger oder Führer mit dem Berg einzulassen. Er wollte den Gipfel ersteigen. Seine Ersteigung lief aber auf keine Bezwingung des Berges hinaus, sondern ihm ging es um die Achtung vor der Natur.
Nach seiner erfolgreichen Erstbesteigung leitete Norgay ab 1954 die Bergsteigerschule "Himalaja Mountaineering Institute" im indischen Darjeeling.
Tenzing Norgay starb am 9. Mai 1986 in Darjiling.
