Klaus. O. hat über Jahre die Pausenbrote seiner Kollegen vergiftet und ist deshalb zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden. 

Eines seiner Opfer, ein 26-jähriger Mann, ist erst nach langer Leidenszeit gestorben.


>> Bis heute ist das Motiv für seine Taten nicht geklärt

Bei der Armaturenfirma Ari ahnten sie schon länger, dass etwas nicht stimmte. Da war die Sache mit dem Studenten, Nick N., 26, der während der Semesterferien im Werk gearbeitet hatte. Schwermetallvergiftung, hieß es. Quecksilber. Ganz plötzlich. Keiner konnte sich das erklären, bei Ari wird nicht mit Quecksilber gearbeitet. Seit gut zwei Jahren liegt Nick nun im Koma, geplagt von schweren Krämpfen, die Augen geöffnet, aber seelenlos.

Nach der Sache mit Nick bekam ein anderer Kollege, Udo B. von der Abteilung Werkzeugbau, schlimme Krämpfe und Magenblutungen. Plötzlich. Schließlich versagten ihm die Nieren. Dreimal die Woche muss er seitdem zur Dialyse.

Und da war noch ein Dritter. Simon R., 27, auch einer aus dem Werkzeugbau. Bei der Arbeit übergab er sich mehrmals, im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass seine Nieren so gut wie gar nicht mehr arbeiteten. Völlig unerwartet. Bei Ari begannen manche, sich zu erinnern. Da hatte es doch auch die vielen Toten unter den Mitarbeitern gegeben, ungewöhnlich viele, so schien es, über Jahre. Krebsgeschwüre, Schlaganfälle, Infarkte.

Alle vergiftet von Klaus O.

Er greift in die auf dem Boden stehende Tasche des Kollegen, nimmt eine Brotdose heraus, öffnet sie. Dann holt er ein Papierbriefchen hervor, das er vorher versteckt hielt, klappt die Brotscheiben auseinander, bestreut sie mit einem weißlichen Pulver aus dem Briefchen. Er klappt die Scheiben wieder zusammen, er legt sie zurück. In die Dose. In den Rucksack. 

Als wäre nichts geschehen.


Unbeteiligt und ausdruckslos soll Klaus O. während des Prozesses auf der Anklagebank gesessen haben. Auch mit dem psychologischen Gutachter hatte der damals 57-Jährige nicht sprechen wollen. O., das sah das Gericht als erwiesen an, hatte jahrelang die Pausenbrote seiner Kollegen vergiftet. Und wie so oft, ist das Nichtwissen für die Opfer und ihre Angehörigen nur schwer zu ertragen: Was bewegt einen Menschen zu so einer Tat? 

Auch der Vorsitzende Richter zeigte sich zum Prozessende ratlos, was das Motiv anging: "Wir wissen nichts." Er verhängte die höchstmögliche Strafe für versuchten Mord: Lebenslänglich, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung. "O. ist eine Gefahr für die Allgemeinheit", so der Richter.


>> Klaus O. hortete große Mengen giftiger Stoffe