Der König des Kokains
Pablo Escobar kontrollierte 80 Prozent des Geschäfts mit dem Stoff- und führte mit dem Medellin Kartell die wohl teuflischste Mafiabande der Neuzeit.

Der Aufstieg und Fall des Kokain-Königs
Pablo Emilio Escobar Gaviria begann seine Karriere in den staubigen Straßen von Medellín nicht mit weißem Pulver, sondern mit Autodiebstahl, Schmuggel und gefälschten Grabsteinen. Doch sein Gespür für lukrative Märkte führte ihn in den 1970er-Jahren zu einer Substanz, die die Welt verändern sollte: Kokain. Mit einer Mischung aus organisatorischem Genie und skrupelloser Machtpolitik baute er das Medellín-Kartell auf – eine Organisation, die auf dem Höhepunkt ihrer Macht geschätzte 80 Prozent des globalen Kokainmarktes kontrollierte.
Geld spielte bald keine Rolle mehr. Millionen-Beträge wurden im Dschungel vergraben, von Ratten zerfressen oder einfach in Paletten gestapelt. Escobar kaufte riesige Anwesen wie die berühmte Hacienda Nápoles, importierte exotische Tiere und stieg zu einem der reichsten Männer der Erde auf.
Sein Leben war von tiefen Widersprüchen geprägt. Während er den kolumbianischen Staat mit seinem berüchtigten Diktum "Plata o Plomo" (Silber oder Blei) vor die Wahl zwischen Bestechung oder Kugel stellte, inszenierte er sich in den Armenvierteln Medellíns als moderner Robin Hood. Er baute ganze Wohnviertel, Schulen und Fußballplätze. Die Menschen dort dankten es ihm mit bedingungsloser Loyalität.

Doch sein Ehrgeiz wurde ihm zum Verhängnis. Als sein Versuch scheiterte, über die Politik Immunität zu erlangen, erklärte er dem Staat den offenen Krieg. Es folgte ein Jahrzehnt des Narco-Terrorismus: Bombenanschläge auf Verkehrsflugzeuge, Zeitungsredaktionen und Regierungsgebäude forderten Tausende unschuldige Menschenleben. Selbst ein eigens erbautes Luxusgefängnis, das La Catedral, konnte seine Machenschaften nur kurzbremsen.
Am 2. Dezember 1993 endete die Jagd. Auf der Flucht über die Dächer von Medellín wurde der einst mächtigste Drogenbaron der Welt von einer Spezialeinheit erschossen. Was blieb, war ein traumatisiertes Land und eine Legende, die bis heute zwischen Faszination und Entsetzen schwankt.