100 Jahre - Hildegard Knef
Hildegard Knef zählte zu den bedeutendsten Vertreterinnen des deutschen Kinos der 1940er und 1950er Jahre. Mit dem Image einer "Trümmerfrau" die verzweifelt nach Liebe sucht, avancierte Hildegard Knef zum wehmütigen Star. Ihren internationalen Durchbruch als Charakterdarstellerin feierte sie mit "Die Mörder sind unter uns" (1946). Als Prostituierte in der Titelrolle "Die Sünderin" (1950) löste sie einen Skandal aus, da sie wenige Sekunden Nackt zu sehen war. Größte Anerkennung verdiente sie sich darüber hinaus als Chansonsängerin und Autorin.
Ihre Autobiografie "Der geschenkte Gaul" (1970) und "Das Urteil" (1975) wurden Bestseller. Zu Ihren erfolgreichsten Filmen zählen "Schnee am Kilimandscharo" (1952), "Verdammt zur Sünde" (1964) und "Jeder stirbt für sich allein" (1975)...

Hildegard Frieda Albertine Knef wurde am 28. Dezember 1925 in Ulm als Tochter eines Prokuristen geboren.
Nach dem Abschluss der Volksschule zog sie nach München. Hier absolvierte sie von 1942 an eine Ausbildung als Trickfilmzeichnerin in den UFA-Universal-Film AG Studios und studierte parallel an der Filmhochschule in Babelsberg Schauspielerei. Bei der UFA, die noch unter der Führung des Propagandaministers Josef Goebbels stand, startete sie auch ihre steile Karriere. In Hildegard Knef fand man die zweite Marlene Dietrich, da sie im Stande war als starke, sichere und schöne Frau Gefühle zu zeigen, die die Menschen anrührten. So geschehen in ihrer ersten kleinen Filmrolle "Unter den Brücken" aus dem Jahr 1945. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ließ sie sich in Berlin nieder, wo sie am Theater "Tribüne" am Kurfürstendamm ihr erstes Engagement erhielt.

Im Jahr 1946 stand sie für "Die Mörder sind unter uns" wieder vor einer Kinokamera. Der Streifen zählte zu den ersten deutschen Nachkriegsarbeiten und bescherte Hildegard Knef den internationalen Durchbruch. Hier verkörperte sie in der Hauptrolle eine ehemalige KZ-Inhaftierte, die ihren Freund und Kriegsheimkehrer daran hindert ihren Peiniger zu ermorden. Gefilmt wurde die dramatische Geschichte in der Trümmerwüste des zerstörten Berlins. Insbesondere durch die Bilder, die an den Originalschauplätzen entstanden, erreichte der Stoff eine beklemmende Realitätsnähe, welche dem Film im Ausland größte Beachtung zukommen ließ. Für ihre Mitarbeit in der Kinoproduktion "Film ohne Titel" 1947 wurde Hildegard Knef 1948 bei den Filmfestspielen in Locarno mit der Auszeichnung "Beste weibliche Hauptrolle" bedacht.

1951 entstand mit ihr der Streifen "Die Sünderin", eine ihrer international populärsten und umstrittensten Arbeiten.
In der sozialkritischen Arbeit "Die Sünderin" verkörperte sie in der Hauptrolle die Prostituierte "Marina", die ihrem Freund Sterbehilfe leistet. Darüber hinaus enthielt das Werk eine Nacktaufnahme von Knef, was die endgültige Meinungsteilung von Kirche, Moralisten und Bevölkerung zur Folge hatte. Nach niederschmetternden Kritiken der Presse und gewaltsamen Protesten vor und in den Kinos, wurde "Die Sünderin" vorzeitig abgesetzt. Aufgrund der Ereignisse wurde man in den USA auf den umstrittenen Stoff und auf Hildegard Knef aufmerksam. Nachdem "Die Sünderin" auch in amerikanischen Kinos gezeigt wurde, avancierte sie in den Staaten zu einer akzeptierten Filmgröße. So startete 1951 der Film "Entscheidung vor Morgengrauen" fast zeitgleich auch in Amerika und Hildegard Knef erwies sich als Kassenmagnet.

Derart gestärkt folgten ab 1952 zahlreiche Hollywood-Produktionen wie "Schnee am Kilimandscharo" mit Gregory Peck, die Hildegard Knef zu den wenigen deutschen Schauspielern zählen lässt, die internationale Anerkennung fanden. 1954 feierte sie in dem Theaterstück "Seidenstrümpfe" in der Hauptrolle der "Ninotschka" ihr Broadway-Debüt. Mit über 650 Aufführungen die sie bis 1954 begleitete, spielte sie sich in die Herzen der New Yorker und wurde endgültig zum Star erhoben. In den 1960er Jahren feiere man sie in Filmen wie der "Die Dreigroschenoper" und "Wartezimmer". Zu ihrem letzten großen Kinofilm wurde 1964 "Verdammt zur Sünde". Ebenso veröffentlichte sie 1964 den Roman "Die Festung". Des Weiteren machte sie Schlagzeilen als Chansonsängerin, deren Texte sie selbst verfasste. Ihre Stücke, die sie mit einer unverwechselbar rauchigen Whiskey-Stimme vortrug, erreichten Kultstatus. Nach zahlreichen erfolgreichen Aufnahmen wurde sie 1968 als "Beste deutschsprachige Sängerin" ausgezeichnet.

Im Jahr 1969 erschien die Fernsehdokumentation "Die Knef. Bericht über ein Konzert", in der Hildegard Knef als Chansonsängerin vorgestellt wurde. 1970 veröffentlichte sie ihre literarisch gewürdigte Autobiografie "Der geschenkte Gaul". Nach einer Krebsdiagnose Anfang der 1970er Jahre musste sie 1973 eine Brustoperation überstehen. Zwei Jahre später spielte sie wieder in der Romanverfilmung "Jeder stirbt für sich allein" von Hans Fallada. Kurz darauf veröffentlichte sie das Buch "Das Urteil", in welchem sie detailgenau auf ihren Umgang mit dem Krebs eingeht. Ein gesamtes Portrait ihrer Karriere erschien 1975 im Fernsehen mit dem Titel "Hildegard Knef und ihre Lieder". Hildegard Knef war dreimal verheiratet. Von 1947 bis 1952 mit Kurt Hirsch, von 1962 bis 1976 mit dem britischen Schauspieler David Cameron, der Vater ihrer Tochter Christina Antonia (1968), und von 1977 bis zu ihrem Tode mit Paul Freiherr von Schell zu Bauschlott.
Im Jahr 1982 entstand mit ihr der Fernsehfilm "Der Gärtner von Toulouse". Im Anschluss zog sie nach Los Angeles, wo sie bis 1989 lebte. In Deutschland entstand währenddessen ein weiteres Fernseh-Portrait mit dem Titel "Nein, ich gebe niemals auf". Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland lebte Hildegard Knef zurückgezogen und war kaum noch bei öffentlichen Anlässen oder Arbeiten zu sehen. Zu ihren letzten großen Auftritten zählte 1995 eine Film-Collage anlässlich ihres 70. Geburtstages unter dem Titel "Für mich soll''s rote Rosen regnen".
Hildegard Knef verstarb in Folge einer Lungenentzündung am 1. Februar 2002 im Alter von 76 Jahren in Berlin.
