Helmut Kohl
Helmut Kohl gilt als der "Kanzler der Einheit". Während seiner Amtszeit als Bundeskanzler (1982–1998) nutzte er die historische Chance nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989, um innerhalb von nur knapp elf Monaten die Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 durchzusetzen.

Schlüsselschritte auf dem Weg zur Einheit
1. Das Zehn-Punkte-Programm (28. November 1989)
Überraschend stellte Kohl im Deutschen Bundestag einen Zehn-Punkte-Plan vor. Dieser sah zunächst konföderative Strukturen zwischen der BRD und der DDR vor, richtete das Ziel aber klar auf eine spätere staatliche Einheit aus.
2. Die emotionale Rede in Dresden (19. Dezember 1989)
Bei seinem Besuch in Dresden riefen ihm Zehntausende Bürger "Helmut, Helmut!" und "Deutschland, einig Vaterland!" zu. Vor den Trümmern der Frauenkirche sprach er offen vom Ziel der deutschen Einheit – ein Wendepunkt, der Kohls Entschlossenheit festigte.
3. Diplomatische Absicherung (2+4-Vertrag)
Kohls größte Leistung war das diplomatisches Verhandlungsgeschick mit den Vier Mächten (USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich):
USA: US-Präsident George H. W. Bush unterstützte Kohl von Beginn an uneingeschränkt.
Sowjetunion: Im Juli 1990 erreichte Kohl im Kaukasus beim Treffen mit Michail Gorbatschow den Durchbruch: Die UdSSR stimmte einem vereinten Deutschland als vollwertigem NATO-Mitglied zu.
Großbritannien & Frankreich: Margaret Thatcher und François Mitterrand standen der Einheit skeptisch gegenüber. Kohl gewann Mitterrand durch die Zusage zur europäischen Integration und der Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung (Euro).
4. Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion (1. Juli 1990)
Gegen Bedenken der Bundesbank setzte Kohl die schnelle Einführung der D-Mark in der DDR durch, was den Wunsch der Ostdeutschen nach schneller Vereinigung erfüllte und die Abwanderung nach Westdeutschland verlangsamte.