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>> 06. März 1987


Herald of Free Enterprise

Am Abend des 6. März 1987 kenterte das Schiff bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Zeebrügge. 

Von den 623 Personen an Bord kamen 193 ums Leben.

Die Herald of Free Enterprise wurde als zweites von insgesamt drei Schwesterschiffen bei Schichau Unterweser in Bremerhaven für die britische Reederei Townsend Thoresen gebaut. Ihre Schwesterschiffe waren die erstgebaute Spirit of Free Enterprise sowie die zuletztgebaute Pride of Free Enterprise. Die Fähren hatten an Bug und Heck zur Seite öffnende Tore knapp über der Wasserlinie, was ein schnelles Be- und Entladen des Schiffes im Hafen ermöglichte.

Als das Schiff am 6. März 1987 gegen 19 Uhr mit 543 Passagieren und 80 Besatzungsmitgliedern an Bord den Hafen Zeebrügge in Richtung Dover verließ, schlief der mit der Kontrolle der Bugtore beauftragte 2. Bootsmann in seiner Kabine. Nach der Hafenausfahrt wurde das Schiff beschleunigt. Bei leichtem Seegang drang schnell eine große Menge Wasser durch die offenen Bugklappen in das Schiff ein. Durch die Wassermenge und die verrutschende Ladung neigte das Schiff sich nach Backbord und kenterte innerhalb von zwei Minuten.

Glück im Unglück war die Tatsache, dass die Herald of Free Enterprise nicht komplett unterging, sondern auf eine Sandbank in etwa neun Meter Tiefe auflief und auf der Backbordseite liegenblieb (Position ♁51° 22′ 28″ N, 3° 11′ 26″ OKoordinaten: 51° 22′ 28″ N, 3° 11′ 26″ O | | ). Mit Hilfe der schnell eintreffenden Rettungsmannschaften – innerhalb von 19 Minuten befand sich der erste Rettungshubschrauber über dem Schiff, nur wenig später traf das erste Schiff an der Unglücksstelle ein – und dank einer besonnen agierenden Besatzung und einigen Passagieren konnten mehr als 400 Menschen aus dem Schiff gerettet werden. Für 193 Menschen – unterschiedliche Quellen geben bis heute leicht abweichende Opferzahlen an – kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Für seine umsichtige und zugleich mutige Leistung wurde Wolfgang Schröder, der Kapitän des ersten am Unglücksort eingetroffenen Schiffes, von Premierministerin Margaret Thatcher mit einem Dankesschreiben bedacht und vom belgischen König mit einem Orden geehrt.

Hier sind die wichtigsten Fakten zum Unglück:

  • Datum und Ort: 6. März 1987, kurz vor der Küste von Zeebrügge, Belgien, auf dem Weg nach Dover.
  • Unglücksursache: Die Fähre lief mit offenen Bugtüren aus, was zu einem schnellen Einströmen von Wasser und zum Kentern innerhalb von zwei Minuten führte.
  • Verantwortlichkeit: Der stellvertretende Bootsmann war nicht auf seinem Posten, um die Tore zu schließen, und der Kapitän überprüfte dies nicht. Zudem fuhr das Schiff mit zu hohem Tiefgang (Trimm).
  • Opferzahl: Von den 623 Personen an Bord (Passagiere und Besatzung) ertranken oder erfroren 193 Menschen.
  • Rettung: 408 Menschen wurden gerettet, da das Schiff nicht vollständig sank, sondern auf einer Sandbank liegen blieb.
  • Folgen: Das Unglück gilt als eines der schwersten britischen Seeunglücke seit der Titanic. Es führte zu einer Verschärfung der Sicherheitsvorschriften für RoRo-Fähren (Roll-on/Roll-off), insbesondere bezüglich der Kontrolle der Bugtüren und der Stabilität

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