Der Fall Ingrid van Bergen
In den 1950er- und 60er-Jahren war sie eine der berühmtesten Schauspielerinnen in Deutschland.
Es war der aufsehenerregende Kriminalfall der 70er Jahre: Die gefeierte Schauspielerin Ingrid van Bergen erschießt ihren Geliebten. Als der Prozess ein paar Monate später beginnt, warten hunderte Schaulustige vor dem Münchener Justizpalast, die Polizei hält die Menge in Schach. Vor Gericht werden Einzelheiten des Sexuallebens ausgebreitet, welche die Boulevardpresse genüsslich ausschlachten.
Am 28. November 2025 ist Ingrid van Bergen gestorben. Wir möchten noch einmal die Tat von damals zusammenfassen.
Ingrid van Bergen und Klaus Knaths präsentierten sich in der Münchener Bussi-Bussi-Gesellschaft als perfektes Paar. Kurz vor der Tat waren sie noch gemeinsam in der Stadt unterwegs, nichts deutete auf das hin, was in der Nacht auf den 3. Februar 1977 passieren sollte. Vieles muss im Affekt geschehen sein.
Van Bergen war zwölf Jahre älter als Knaths, das ließ er sie in abfälligen Bemerkungen immer wieder spüren. Sie bezahlte den Großteil der Rechnungen, er hinterging sie wohl mehrfach mit anderen Frauen.
In der Tatnacht erwartete sie den charmanten Immobilienmakler Knaths in ihrer Villa in Starnberg - er kam wieder zu spät, wieder wegen einer anderen Frau, wie van Bergen erfuhr.
Knaths hatte sie an diesem Abend erneut bitter enttäuscht, obendrein eröffnete er ihr am Telefon vor seiner Ankunft in Starnberg, dass er sie verlassen wolle. Van Bergen verfasste einen Abschiedsbrief an ihre Töchter und rief Knaths' Eltern an - sie sollen sich bitte zukünftig um die Kinder kümmern.
"Ich hab' die Waffe geholt und dann ... tja"
In dieser Nacht zum 3. Februar 1977 erschoss van Bergen mit einem Revolver ihren 33-jährigen Geliebten, in ihrer Villa.
Knaths wurde von zwei Kugeln in Brust und Bauch getroffen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen.
Ihre Töchter waren damals 12 und 19 Jahre alt (Foto, oben). Der Strafprozess nach der Beziehungstat löste großes mediales Aufsehen aus; anwaltlich vertreten wurde sie von Rolf Bossi.
Van Bergen wurde am 27. Juli 1977 wegen Totschlags zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte ihr, dass sie zur Tatzeit "stark durch Alkohol enthemmt" war und sich "in einem potenziellen Affektzustand befunden" habe.
Nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe in der JVA Aichach wurde sie am 2. Oktober 1981 auf Bewährung entlassen.
Liebesbeziehungen spielten in ihren Filmen oft eine große Rolle. Im wahren Leben meinte es die Liebe nicht immer gut mit Ingrid van Bergen.
Nach ihrer Zeit im Gefängnis gelang ihr erst nach und nach der Wiedereinstieg ins Berufsleben. Es folgten viele Gastauftritte, vor allem in Krimis und TV-Serien. 2009 wurde Ingrid van Bergen auch als Realitystar bekannt. Sie gewann als Dschungelkönigin die RTL-Show Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!