Donald Stellwag
>> er ist das Opfer eines in Deutschland geschehenen Justizirrtums.
Vor seiner Festnahme lebte er in Lauf an der Pegnitz und saß wegen eines am 19. Dezember 1991 in Nürnberg verübten Bankraubes mit Geiselnahme, der ihm angelastet wurde, mehrere Jahre unschuldig im Gefängnis.

Im Jahr 1994 hält ein bewaffneter Überfall auf eine Nürnberger Sparkassen-Filiale ganz Deutschland in Atem. Auch in der bekannten ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" wird der Bankraub mit 1,8 Millionen Euro schwerer Beute zum Thema. Aufgrund der beschriebenen optischen Merkmale – sehr groß und auffallend korpulent – gerät Donald Stellwag ins Visier der Fahnder.
In seiner bayerischen Heimat gemobbt, kann der Außenseiter auch den Umzug in den Frankfurter Raum zunächst nicht für sich nutzen: Drogenkonsum statt Neuanfang. Gerade, als es scheint, dass Donald Stellwags Leben wieder in geordneten Bahnen verläuft, überrollt ihn ein schicksalhafter Irrtum. Anhand seines Ohrläppchens identifiziert ihn ein Gerichtsgutachter als vermeintlichen Schuldigen im millionenschweren Gold-Coup.
Neun Jahre Haft – trotz zeugengestützten Alibis
Wäre Donald Stellwags Geschichte nicht wahr, müsste man sie erfinden, um einen Krimi-Bestseller zu landen. Doch statt mit erdachter Fiktion sieht sich der spöttisch als Big Mäck betitelte Verdächtige mit harten Fakten konfrontiert. Neun Jahre Haft lautet das Urteil, das Donald Stellwag zum Abschluss seines Prozesses am Nürnberger Landgericht entgegennimmt. Das unscharfe Bild einer Überwachungskamera genügt zu diesem Zeitpunkt, um den drastischen Richterspruch zu legitimieren.
Dass gleich mehrere Zeugen den Angeklagten zum Tatzeitpunkt Hunderte Kilometer entfernt von Nürnberg verorten können, scheint die verantwortlichen Richter nicht zu beeindrucken.
Das Urteil wird rechtskräftig – Donald Stellwag verbringt die nächsten sechs Jahre seines Lebens im Straubinger Gefängnis.

Überraschende Wendung und neue Vorwürfe
Auch nachdem der vermeintliche Bankräuber zwei Drittel seiner Strafe abgesessen hat und in die Freiheit entlassen wird, reißen die Meldungen nicht ab. Nur zwei Wochen nach Stellwags Entlassung aus der JVA Straubing legt der wahre Täter ein Geständnis ab.
Sichtlich von den Strapazen der Vergangenheit gezeichnet, erhält Donald Stellwag vom Gutachter einen Schadensersatz in Höhe von 150.000 Euro. Die staatliche Entschädigung in Höhe von 60.000 Euro wird um 20.000 Euro für die Verpflegung im Gefängnis gemindert.
Neues Leben, neues Glück? So geht es Donald Stellwag heute
Fast könnte man meinen, die unglaubliche Geschichte um den einstig als Big Mäck verspotteten Donald Stellwag hätte sich zum Guten gewendet. Wären da nicht die massiven gesundheitlichen Probleme, die das prominente Justizopfer dauerhaft ans Bett fesseln. Mit der Unterstützung eines Freundes bewältigt der schwer Erkrankte seinen Alltag.