Amoklauf am Amtsgericht
>> Der Gummistiefel Mörder
Der 39-jährige Erwin M. erschoss am 9. März 1994 im Amtsgericht Euskirchen sechs Personen und zündete anschließend eine Bombe, die auch ihn selbst tötete.
Weitere sieben Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Am 9. März 1994 soll sich Erwin M. vor dem Amtsgericht Euskirchen dafür verantworten, dass er seine Freundin Lena halb totgeschlagen hat. Der gelernte Installateur war - zur allgemeinen Belustigung der anderen Anwesenden - mit Lackmantel, Lacklederstiefel, Stirnband, Sonnenbrille und einer Knoblauchkette um den Hals vor Gericht erschienen.
Er hat Einspruch gegen einen Strafbefehl über 7.200 Mark eingelegt, aber der wird abgewiesen.
Jetzt flippt Erwin M. endgültig aus: Wild um sich schießend, tötet er sieben Menschen und verletzt acht weitere schwer, bevor er sich selbst in die Luft sprengt.
Eine Vorliebe für Gummistiefel
Klein-Erwin ist schon als Kind ein Außenseiter und ein Einzelgänger. Er wird von seinen Mitschülern entweder ignoriert oder gehänselt, von seinem Vater, einem Schuster, ständig geschlagen und von seiner Mutter abweisend behandelt.
Sein sehnlichster Kindheitswunsch, ein paar eigene Gummistiefel zu besitzen, wird später zur Perversion. Er entwickelt eine sexuelle Vorliebe für Gummistiefel und eine Leidenschaft, Frauen in Gummistiefeln zu fotografieren oder zu filmen. Die Boulevardpresse bezeichnet ihn nach der Tat als den "Gummistiefel-Killer" von Euskirchen.
Musste es soweit kommen?
Sein zweites Hobby sind seine Waffen, die ihm ein Gefühl der Sicherheit geben. An seinem Arbeitsplatz als Busfahrer beim Regionalverkehr Köln fällt er auf, weil er ständig eine Waffe mit sich führt. Sein Chef verlangt daraufhin von ihm, dass er sich einem psychologischen Gutachten unterzieht. Der Arzt diagnostiziert eine schwere psychische Störung. Eine langjährige Therapie wäre nötig, doch Erwin hält sich selbst für gesund und alle anderen für krank.
Nach einem Streit bedroht er seinen Chef, der zur Polizei geht und davor warnt, dass Erwin im Affekt von seinen Waffen Gebrauch machen könnte. Doch auf dem Revier stößt er auf taube Ohren...

Die Begebenheit wurde in einem TV-Film mit dem Titel "Tag der Abrechnung – Der Amokläufer von Euskirchen" thematisiert, in dem Christoph Waltz die Rolle des Täters Erwin M. spielt. Der Film wurde bei RTL ausgestrahlt und ist auf DVD erschienen.